Arthrose ist eine weit verbreitete degenerative Gelenkerkrankung, die fast alle Tiere betreffen kann. Besonders mit Fortschreiten der Erkrankung, im Alter, bei Fehlstellungen, Übergewicht oder durch (alte) Verletzungen, kann Arthrose zu erheblichen Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen.
Neben der schulmedizinischen Therapie spielt die Tierphysiotherapie (und auch die Naturheilkunde) eine immer wichtigere Rolle, um den betroffenen Tieren zu helfen.
In diesem Blog werden einige physiotherapeutische Behandlungsmethoden bei Arthrose vorgestellt und deren Nutzen für die Verbesserung der Lebensqualität erläutert.
Arthrose beim Hund
Definition und Pathophysiologie
Arthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, die durch den Abbau des Knorpelgewebes gekennzeichnet ist. Der Gelenkknorpel wird geschädigt, was zu Entzündungen, Schmerzen und einer Einschränkung der Beweglichkeit führt. Im Laufe der Zeit können auch Knochenveränderungen auftreten, was die Erkrankung weiter verschlimmert. Arthrose ist irreversibel, jedoch können die Symptome durch eine geeignete Therapie gelindert und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursachen für Arthrose sind altersbedingter Verschleiß des Gelenkknorpels, Übergewicht, Gelenkdysplasien (wie Hüft- oder Ellbogendysplasie), Verletzungen oder Fehlbelastungen aber auch durchaus genetische Dispositionen.
Symptome und Diagnostik
Tiere mit Arthrose zeigen häufig Symptome wie Steifheit nach Ruhephasen, Lahmheit, besonders nach Belastung, Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Treppensteigen, Schmerzen bei Berührung der betroffenen Gelenke oder auch verminderte Bewegungsfreude, häufiges Stöhnen/Seufzen und Lecken, Reiben oder Beißen der schmerzhaften Stellen.
Die Diagnose wird in der Regel durch eine klinische Untersuchung und Röntgenaufnahmen gestellt.
Physiotherapeutische Behandlungsmethoden bei Arthrose
Manuelle Therapie
Die manuelle Therapie beinhaltet Techniken, bei denen durch gezielte Mobilisation und Manipulation der Gelenke die Beweglichkeit verbessert und Schmerzen gelindert werden. Dehnübungen und das sanfte Bewegen der Gelenke können helfen, Verklebungen im Gewebe zu lösen und die Durchblutung zu fördern.
Bewegungstherapie
Gezielte Bewegungstherapie ist essenziell, um die Muskulatur um die betroffenen Gelenke zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern. Sanfte Bewegungen ohne Belastung, wie das Gehen über Hindernisse oder das Arbeiten auf instabilem Untergrund, fördern die Koordination und Stabilität. Dabei ist es wichtig, die Übungen individuell auf den Zustand des Hundes abzustimmen, um Überbelastungen zu vermeiden.
Hydrotherapie
Hydrotherapie, insbesondere das Unterwasserlaufband und Tretbecken, werden häufig bei betroffenen Tieren eingesetzt. Durch die Auftriebskraft des Wassers wird das Körpergewicht reduziert, was es dem Hund ermöglicht, sich ohne übermäßige Belastung der Gelenke zu bewegen. Gleichzeitig bietet der Wasserwiderstand einen sanften Trainingseffekt für die Muskulatur. Hydrotherapie kann die Beweglichkeit verbessern, Schmerzen lindern und den Muskelaufbau fördern – sie kann aber auch schnell zu (unbemerkter) Überstrapazierung führen.
Elektro-, Magnetfeld- und Lasertherapie
Elektrotherapie nutzt elektrische Impulse, um Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu fördern. Es kann auch helfen, Muskeln zu stimulieren und Verklebungen im Gewebe zu lösen.
Lasertherapie, bei der Lichtimpulse verwendet werden, wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd, indem sie die Zellregeneration fördert.
Magnetfeldbehandlungen können gezielt für bestimmte Körperregionen angewendet werden und auch dem gesamten Organismus des Tieres helfen, seine Durchblutung, seinen Stoffwechsel und sein gesamtes System anregen und so dem Körper helfen, sich selbst zu helfen.
Thermotherapie
Thermotherapie umfasst die Anwendung von Wärme und Kälte, um Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu fördern. Wärmebehandlungen sind besonders hilfreich, um verspannte Muskulatur zu lockern und den Stoffwechsel im Gewebe anzuregen. Kältebehandlungen werden oft nach intensiven Trainingseinheiten oder bei akuten Entzündungen angewendet, um Schwellungen zu reduzieren.
Massagen
Massagen haben eine entspannende Wirkung und können helfen, verspannte Muskulatur zu lösen und die Durchblutung zu fördern. Besonders bei Tieren mit Arthrose, die häufig Schonhaltungen einnehmen, können Massagen Muskelverhärtungen lösen, Schmerzen lindern und das gesamte Wohlbefinden verbessern. Sie dienen auch dazu, einen erhöhten Muskeltonus abzubauen, der durch die Überbelastung der ausgleichenden Seiten und die eingeschränkte Bewegung entsteht.
Vorteile der Physiotherapie bei Arthrose
Verbesserung der Beweglichkeit
Physiotherapie zielt darauf ab, die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erhalten und zu verbessern. Durch regelmäßiges Training und gezielte Therapien können Verklebungen und Steifigkeit gelöst werden, was den Bewegungsradius des Hundes vergrößert.
Schmerzlinderung
Durch die verschiedenen physiotherapeutischen Methoden kann eine nachhaltige Schmerzlinderung erreicht werden. Besonders die Kombination aus manuellen Techniken, Wärmebehandlungen und Elektrotherapie hat sich als effektiv erwiesen, um akute und chronische Schmerzen zu reduzieren und tiermedizinische Schmerztherapien effektiv zu unterstützen.
Unterstützung des Muskelaufbaus/-erhalts
Ein wichtiger Aspekt der Physiotherapie bei Arthrose ist der Muskelaufbau und ihr Erhalt, da starke Muskeln die Gelenke entlasten. Durch gezieltes Training können Muskeln aufgebaut und die Gelenke stabilisiert werden, was das Fortschreiten der Arthrose verlangsamt und die Mobilität des Hundes erhält.
Langfristige Lebensqualität
Die Physiotherapie hat das Ziel, die Lebensqualität des Hundes langfristig zu verbessern. Durch die Kombination verschiedener Techniken kann der Hund schmerzfreier und beweglicher werden, was ihm eine bessere Teilhabe am alltäglichen Leben ermöglicht.
Grenzen und Risiken der physiotherapeutischen Behandlung
Obwohl die Physiotherapie viele Vorteile bietet, hat sie auch ihre Grenzen. In sehr fortgeschrittenen Fällen von Arthrose, bei denen der Gelenkknorpel stark zerstört ist, kann die Physiotherapie allein nicht helfen. Zudem besteht das Risiko, dass die Therapien falsch oder zu intensiv angewendet werden, was zu Überlastungen oder Verletzungen führen kann. Deshalb ist eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Tierarzt und eine individuelle Anpassung der Schmerztherapie und Behandlung hier besonders wichtig.
Die Tierphysiotherapie bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, Tieren mit Arthrose zu helfen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Durch gezielte Therapien wie Hydrotherapie, manuelle Techniken und Bewegungstherapie kann die Beweglichkeit verbessert, Schmerzen gelindert und der Muskelaufbau gefördert werden.
Physiotherapie sollte als Teil eines ganzheitlichen Behandlungsplans betrachtet werden, der in enger Absprache mit Tierärzten erfolgt.


