Immer wieder beobachten Stallbetreiber, dass die Pferdebesitzer zwar regelmäßig für ihre Pferde bezahlen aber oft nur sehr kurz oder gar nicht bei ihren Pferden anzutreffen sind.
Wo man in einem Offenstall mit viel Auslauf und Bewegungsanreizen, wie z.B. versetzten Futter- und Wasserstellen, noch ein Auge zudrücken könnte, wenn ein gesundes Pferd mal einen oder zwei Tage nicht aktiv bewegt wird, ist dies bei Boxen- und Paddockhaltung ein absolutes No-Go.
Pferde sind ursprünglich Steppentiere, die den ganzen Tag damit verbringen, sich langsam grasend über viele Kilometer fortzubewegen und zwischendurch zu ruhen. Kaum eine heutige Haltungsform kann unseren Hauspferden dies ohne Einschränkung bieten.
Umso wichtiger ist es, dass die Pferde ausreichend bewegt werden, damit ihr Stoffwechsel, das Atmungssystem, der Kreislauf und alle anderen Organsysteme funktionieren können und sie dauerhaft gesund bleiben und keine haltungsbedingten Verhaltensstörungen entwickeln.
Dann heißt es plötzlich, die Pferde sind zu dick, entwickeln Magenprobleme und die unterschiedlichsten Stoffwechselerkrankungen (ECS, EMS oder Rehe) oder sie beginnen zu husten und werden dämpfig.
Meistens ist dann schnell das Futter oder die Einstreu des Betriebes schuld, die Pferde werden auf Diät und Späne gestellt und nicht selten fließen große Summen in Tierärzte, Inhalatoren, Medikamente, Zusatzfuttermittel, Cremes und Pulver, die meistens nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Ein Stall mit Vollpension und Weidegang oder Paddock ermöglichen einem Pferd selbstverständlich mehr Bewegung, als eine reine Boxenhaltung. Trotzdem heißt dies noch lange nicht, dass das Pferd sich so auch ausreichend bewegt. Auch Tag für Tag nur in einem Offenstall zu verbringen, wird einem gesunden Pferd auf Dauer viel zu langweilig und viele Pferde verbringen ihr Leben dann nur noch damit, Heu oder Einstreu zu fressen, Holz anzunagen und teilnahmslos herumzustehen.
Viele Pferdebesitzer besuchen ihre Pferde manchmal tage- bis wochenlang nicht, kümmern sich nicht angemessen um ihre Fellpflege oder die Hufbearbeitung und betreiben ein sehr nachlässiges Hygienemanagement bei ihrem Putzzeug, Halftern, Decken und anderem Zubehör. Das Resultat daraus sind verfilzte Pferde mit Hautpilz, Räude und Haarlingen, welche ein hohes Infektionsrisiko für alle Pferde in diesem Betrieb darstellen. Dies sind allerdings nur die ersten sichtbaren Symptome. Bewegungs- und Beschäftigungsmangel ist ein riesiges Problem für alle Pferde und er verursacht häufig erst sehr spät erkennbare Symptome – und diese werden dann wieder rum häufig ganz anderen Ursachen zugeschrieben.
Manche Stallbetreiber sind (in ihrer Not) schon dazu übergegangen, den Pferdebesitzern das Misten und Füttern gänzlich selbst zu überlassen, damit sie sich überhaupt mal bei ihrem Pferd sehen lassen und nicht immer sämtliche Verantwortung von sich weisen und im schlimmsten Fall auf den Betrieb schieben können. Natürlich inklusive Diskussionen, harscher Kritik und akribischer Fehlersuche beim Stallbetreiber oder im Stall. Und außerdem findet man ja schließlich kaum noch Zeit zum Trainieren, wenn man alles selbst machen muss, für diesen Preis.
Ein Stallbesitzer der Pferde nicht aus Profitgründen hält, leidet immer mit den bei ihm eingestellten Tieren und tut alles, damit es ihnen gut geht und an nichts fehlt.
Das selbe erwartet man von den Pferdebesitzern.
So gibt es heute immer mehr Betriebe, die solche Pferdebesitzer abmahnen und ihnen im schlimmsten Falle kündigen. Andere bieten Pflege, Bewegung und Training als Zusatzleistungen an, was meistens eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten darstellt.
Nichts zu tun ist in jedem Fall immer das Falsche für das Pferd!
Ein Einstellplatz darf niemals ein reiner Abstellplatz sein – und sei es auch die größte Weide mit den besten Unterständen. Auch Pferde haben ein Recht auf Abenteuer und Erlebnisse, Erfolge und interessantes Neues. Egal ob Fohlen oder uralter Renter.

