Ein Buch mit so einem Titel würde ich sofort lesen und alle Kurse besuchen, die dazu angeboten werden – solange es pferdegerecht bleibt!
Leider sieht die Realität meistens anders aus und der alte Spruch meines Großonkels gilt weiterhin:
„Mit Pferden kann man ein kleines Vermögen machen – Wenn man das Große für sie ausgibt“.
Pensionpferdehaltung macht man, weil man es wirklich will.
Oder man macht es nicht.
Wer sich Ruhm, Reichtum und menschliche Dankbarkeit erhofft, sollte sich lieber andere Wege suchen, um diese Ziele zu erreichen.
Wer diese körperlich sehr anstrengende Sisyphos-Arbeit mit kaum Gewinn – aber dafür viel Kritik – tagtäglich und bei jedem Wetter mit einem Lächeln im Gesicht verrichtet, der tut das für die Tiere und ganz sicher nicht für das Geld.
Und zwangsläufig auch für die eigene Fitness.
Während große Höfe, Reitvereine, Bauernhöfe und Reitanlagen häufig teure Pensionsplätze gewinnbringend anbieten können, da sie über die entsprechende Infrastruktur, Geräte und Personal verfügen, haben kleine Betriebe oftmals weniger finanziellen Spielraum und zahlen häufig eher noch drauf. Eine große Reitanlage rechtfertigt allerdings nicht immer unbedingt ihren teuren Einstellpreis.
Viele kleine Betriebe sind viel mehr auf individuelle, pferdegerechte Haltung spezialisiert, können individuelle Wünsche einfacher umsetzen und flexibel auf spezielle Bedürfnisse eingehen – obwohl sie meistens nur von 1-2 Personen geführt werden, die sich eine Menge Arbeit damit machen und viel Zeit dafür investieren, Pferden und Menschen optimale Bedingungen zu ermöglichen. Meistens dann auch noch ohne große Maschinen und viele Helfer.
Leider fühlen sich viele Pferdebesitzer trotzdem unfair behandelt, wenn ein Platz in einem kleinen Offenstall genauso teuer ist, wie eine Box in einer großen Anlage.
Was ist ein fairer Einstellpreis? Was ist optimal für das Pferd?
Vielleicht lohnt es sich, alles noch einmal genau durchzurechnen:
Ein Pferd frisst im Monat durchschnittlich 1-1,5 Rundballen Heu, die zwischen 35€ und 55€ kosten.
Ist in einer Vollpension die Fütterung von Kraftfutter enthalten, findet man hier meist Hafer und Pellets.
Derzeit kosten 30kg Hafer zwischen 15€ und 25€.
Minerallfutterpellets (25 kg) kosten etwa 20-25€.
Verfüttert werden also durchschnittlich 1-4kg Hafer und 0,5-2kg Pellets pro Tag.
Die meisten Betriebe streuen mit Stroh ein.
Dies bedeutet bei täglicher Entmistung noch einmal 0,5-1 Rundballen Stroh im Monat, wird nur übergestreut ist es entsprechend weniger, dafür aber unhygienischer.
Stroh kostet derzeit zwischen 25€ und 50€ pro Rundballen.
Bei kleinen Betrieben kommt häufig hinzu, dass Futter und Einstreu geliefert oder selbst abgeholt und per Hand eingelagert werden müssen.
Rechnet man bis hier nur Futter und Einstreu zusammen, liegen wir bei etwa 150 € pro Pferd im Monat.
Da viele Pferdebesitzer die Fütterung von Kraft- und Zusatzfutter heutzutage selbst übernehmen möchten, kaufen und verfüttern sie dieses auch meist selbst.
So bleiben die Kosten für Heu und Stroh, welche sich auf etwa 90-100€ pro Pferd/Monat belaufen.
Berechnet man nun die Arbeitsstunden, geht man meistens von nur einer halben Stunde pro Pferd/Tag aus, was aber in der Realität meistens ganz anders aussieht.
Irgendwas ist immer – auch an Feiertagen und in der Nacht.
Geht man nun also von 10€ Stundenlohn aus, errechnet man damit einen Monatslohn von 150€.
Würde man eine Stunde berechnen, welche man tatsächlich braucht, um sauber und ordentlich zu arbeiten, wären es somit bereits 300€ und trotzdem sind es häufig weit mehr Stunden und auch Kosten, die für die Instandhaltung, Reparatur und Pflege der gesamtem Anlage nötig sind.
Würde man die tatsächlichen Stunden berechnen, wäre man also wortwörtlich unbezahlbar.
Unser momentan errechneter Einstellpreis liegt also zwischen kundenorientierten 240€ und 300€.
Bisher haben wir also Futter, Einstreu und Arbeitslohn berechnet.
Eine Stallanlage muss gepflegt und gereinigt, Böden bearbeitet und Weiden gedüngt werden.
Zäune gehen kaputt, Litzen reißen durch und Isolatoren ab, Gebäude, Tore, Raufen und Bäume werden angefressen, Schlaglöcher und Pfützen entstehen, Sand muss erneuert werden, Drainagen gelegt, Laub gefegt, kaputte Geräte und Werkzeuge müssen ersetzt werden.
Gibt es keinen Bachlauf oder Quellen, wird Leitungswasser zur Tränkung und zum Einweichen von Futter benötigt. Beheizte Tränken im Winter brauchen eine Menge Strom oder man muss mehr Zeit und zusätzliches Krafttraining in Kauf nehmen und das Wasser mühsam durch die Eislandschaft schleppen.
Eine Pferdepension muss versichert sein und in den meisten Fällen muss man dafür Land oder einen Stall pachten. Eine Betriebshaftpflicht kostet zwischen 350€ und 650€ pro Jahr und die Pacht für ein Gelände liegt zwischen 100€ und mehreren tausend.
Die meisten Einstellplätze in einem (kleinen) Offenstall kosten um die 250-350€.
Boxen in großen Stallanlagen mietet man für 350-800€.
Ob hier nun jemand durch Pensionspferdehaltung reich wird und wieviel er selbst dafür bezahlt, kann jeder selbst errechnen und für sich entscheiden.
Natürlich kann ein Mensch der für Tiere arbeitet, so etwas niemals in Erwägung ziehen 😉

